Über die Pfadfinderei


PFADFINDER

Wir sind Pfadfinder. Aber Pfadfinder, was ist das eigentlich? Nun kurz gesagt eine Jugendbewegung, die jungen Menschen hilft zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranzureifen. Zu diesem Zweck trifft man sich regelmäßig in der Gruppenstunde, dem sogenannten Heimabend, auf Fahrten oder Lagern. Dabei steht das Wandern, Singen, Kochen, das verbindende Naturerlebnis und Gespräche am Lagerfeuer im Vordergrund. Als Pfadfinder verzichtet man bewusst auf Technik wie GPS, Smartphone, Internet und Fernseher, um den Sinn für das Wesentliche zu schärfen, sowie einen Rückzugsort aus dem schnelllebigen Alltag zu finden.

Zudem stehen das Vermitteln von Werten, sowie die ständige Diskussion über diese Werte wie Freundschaft, Gemeinschaft, Verantwortungsbewusstsein,Toleranz, Engagement, Zuverlässigkeit, Umweltbewusstsein, nachhaltiges Leben, Bescheidenheit, […] im Fokus unseres Zusammenlebens.

Wir möchten Kindern ermöglichen sich zu selbstbestimmten, gemeinschaftsfähigen Menschen zu entwickeln, die sich ihrer Ganzheitlichkeit bewusst sind. 


Deutscher Pfadfinderbund Mosaik

Unser Stamm ist Teil des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik (DPBM). Der DPBM und alle seine einzelnen Teile sind interkonfessionell und parteipolitisch unabhängig, bekennen sich zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und treten für eine freiheitliche und demokratische Staatsform ein. Zudem ist der DPBM Träger der freien Jugendhilfe und als gemeinnützige Organisation bundesweit anerkannt. Der Deutsche Pfadfinderbund Mosaik versteht sich als Nachfolger der deutschen Jugendbewegung und seine Erziehungsarbeit hat ihre Grundlagen in den Erfahrungen und Erkenntnissen Baden-Powels, in die Sprache unserer Zeit übersetzt.

Das "Mosaik" im Namen steht für die bunte Vielfalt, die im DPBM gelebt wird. Diese einzelnen Mosaiksteine ergeben gemeinsam ein großes Bild - den Bund - und andererseits besteht der Bund aus vielen kleinen Teilen.

Auf die Internetseite des Deutschen Pfadfinderbund Mosaik kommt man hier: Klick!


heimabend

Der Heimabend bezeichnet die Gruppenstunde, die, in den Sippen und Meuten, einmal wöchentlich stattfindet. Von Basteln, Spielen, Knotenkunde, Zeltaufbau und Vorbereitung der Aktionen oder Wochenendfahrten bis hin zum gemeinsamen Plätzchen backen (in der Weihnachtszeit) sind hier der Phantasie der Gruppe, keine Grenzen gesetzt. Im Heimabend spielt auch das gemeinsame Singen eine große Rolle.


fahrt

Die Fahrt ist eine gemeinsame Wanderung, die mindestens drei Tage dauert. Auf einer Fahrt geht es darum Neues zu erfahren, gemeinsam zu Wandern und mit der Natur in Einklang zu leben. So eine Fahrt ist ein Abenteuer, denn man verbringt mehrere Tage mit seiner Gruppe, kocht über loderndem Feuer und wäscht sich in Seen und Flüssen. Wir schlafen in traditionellen Pfadfinder Zelten, den sogenannten Kohten, Wanderhütten und sogar in Höhlen. Da wir unseren Proviant immer mit uns rumtragen müssen lernt man, je schwerer der Wanderrucksack wird, schnell wie wichtig Bescheidenheit ist.

Gewandert wird ausschließlich nach Wanderkarten - wir verzichten bewusst auf die Technik des 21 Jahrhunderts.



lager

Ein Lager ist – ähnlich wie eine Fahrt – ein mehrere Tage dauernder Ausflug. Der Unterschied zu einer Fahrt liegt darin, dass ein Lager aufgeschlagen wird, und der Lagerplatz für die Zeit derselbe bleibt. Anstatt den Tag mit Wanderungen zu verbringen werden hier meist Spiele gespielt, Postenläufe veranstaltet oder Aktionen angeboten. Lager finden bei uns deutlich seltener statt als Fahrten, und die Lager auf die wir fahren dienen oft dem Austausch und Treffen von anderen Pfadfindergruppen.


Singen

Das Singen ist ein zentraler Bestandteil unserer Pfadfinderkultur. Ob im Heimabend, auf Fahrten oder wirklichen Singeabenden: bei uns wird ständig musiziert. Dazu nutzen wir Gitarren und Trommeln, sowie unseren Fundus aus traditionellen Pfadfinder Liedern, die natürlich besonders gut am Lagerfeuer zur Geltung kommen.

Das Liedgut handelt thematisch vom Wandern, der Natur, einer positiven Lebenseinstellung, aber auch dem Singen selbst und der Pfadfinderei.




Foto von Inja Kay Ehlert


KLUFT

Ein jeder Pfadfinder trägt, sobald er Mitglied eines Stammes wird, die sogenannte Kluft. Dabei handelt es sich um ein beiges Fahrtenhemd mit der Lilie auf der linken Brust, und dem Stammeswappen auf dem rechten Ärmel. Zur Kluft wird ein Halstuch getragen, das entsprechend der Alters-/Reifestufe vergeben wird. Die Kluft ist sowohl ein Zeichen der Zugehörigkeit zu unserem Bund, als auch ein haltbares Kleidungsstück, welches die meisten Strapazen unbeschadet übersteht. Außerdem hilft uns die Kluft, besonders in den Sippen und Meuten dabei, ein Wertesystem zu vermitteln, welches nicht auf Markenkleidung oder Reichtum des Elternhauses ausgelegt ist.


Kohte

Die Kohte ist ein Zelttyp der deutschen Jugendbewegung. Sie wurde von Eberhard Koebel (tusk) etwa 1930 in Deutschland eingeführt. Sie besteht aus 4 Zeltbahnen, die zusammengeknüpft werden und in der Mitte durch das Kohtenkreuz verbunden sind. Mit der Kohtenstange (findet sich in nahezu jedem Wald) wird die Kohte aufgestellt und mittels Heringen im Boden befestigt.

Es gibt verschiedene Varianten eine Kohte aufzubauen, und mit den Planen kann man auch noch andere tolle Lagerbauten anfertigen. Kohten schützen uns vor Wind und Wetter, sind wasserabweisend (zumindest größtenteils) und durch den Kamineffekt wird es auch im Schnee in einer Kohte immer schön warm!


Stamm

Der Pfadfinderstamm ist eine Organisationseinheit, die alle Gruppen und Pfadfinder eines Ortes einschließt. Der Stamm besteht aus mehreren Meuten (Wölflinge), Sippen (Pfadfindern) und Roverrunden, sowie den Gruppenführern und ist Teil eines Pfadfinderbundes. Die Einteilung in Stämme ist von den Indianern abgekupfert.


Wölflingsstufe

Wölflinge sind Kinder im Alter von ca. 6-11 Jahren. Sie treffen sich einmal in der Woche innerhalb ihrer Meute zum Heimabend. Wölflinge tragen das orangefarbene Halstuch.

Es gibt zwei Wölflingsregeln:

 

·          Ich nehme Rücksicht auf andere und helfe, wo ich kann.

·          Ich höre den Rat des alten Wolfes.

 

Die Wölflingsstufe geht auf das Dschungelbuch zurück. Dort ist auch Mogli in einer Meute von jungen Wölfen herangewachsen und hat sich an den älteren Wölfen orientiert.


Pfadfinderstufe

Die Jugendlichen in der Pfadfinderstufe sind zwischen 12 und 17 Jahren alt. Sie treffen sich einmal in der Woche innerhalb ihrer Sippe zum Heimabend und tragen das kornblumenblaue Halstuch.

Für die Pfadfinderstufe sind die Pfadfinderregeln grundlegend:

 

·          Ich bin bereit, in der und für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen und Pflichten zu tragen.

·          Ich will zuverlässig sein und zu meinem Wort stehen.

·          Ich will hilfsbereit sein und für andere eintreten.

·          Ich will zur Freundschaft aller Pfadfinder und zum guten Miteinander aller Menschen beitragen.

·          Ich will Rücksicht nehmen und verständnisvoll sein.

·          Ich trage zum Schutz und zur Erhaltung der Natur bei.

·          Ich setze mich kritisch mit mir selbst und mit meiner Umwelt auseinander.

·          Ich will zuversichtlich sein.

·          Ich bemühe mich, einfach und bewusst zu leben.

·          Ich will offen für neue Wege sein.

 

Das kornblumenblaue Halstuch repräsentiert die Sehnsucht danach hinaus in die Natur zu gehen und danach zu streben das Leben als Pfadfinder auszukosten. Blau ist die am seltesten natürlich vorkommende Farbe, und deshalb steht die bündische "blaue Blume" als Symbol dafür das außergewöhnliche auf Fahrt zu finden.


Roverstufe

Die Rover des Stammes sind mindestens 17 Jahre alt und treffen sich in Roverrunden. Sie übernehmen Verantwortung in der Stammorganisation und tragen das bordeauxrote Halstuch.


Kurze erläuterung der bündischen pfadfinderei

In der deutschen Pfadfindertradition gibt es zwei Philosophien: die scoutistische und die bündische. Wir selbst zählen uns zu den bündischen Pfadfindern. Während scoutistisch die Philosophie der weltweiten Pfadfinderschaft darstellt (siehe Tick, Trick und Track) ist die bündische Pfadfinderei nur auf den deutschsprachigen Raum beschränkt.

 

Doch was gehört dazu, zum bündisch sein? Die Bündischen Pfadfinder sind nicht bloß im weltweiten Pfadfindertum verwurzelt, welches von Lord Robert Baden Powell entwickelt wurde, sondern ebenfalls in der Wandervogelbewegung. Der Wandervogel war eine Studentenbewegung, die zur Jahrhundertwende vom 19./20. Jahrhundert, die Welt der Industrialisierung satt hatten. Sie organisierten sich und fuhren am Wochenende auf Wanderungen in die Natur – Hauptsache raus aus der industrialisierten Stadt.

Zudem haben bündische Pfadfinder Werte, der mittelalterlichen Ritter (Demut, maßvolles Leben, Liedgut), sowie Werte der Indianer (Zelte, Stämme, […]) adaptiert. Die bündische Jugend hat sich 1913 auf dem Lager auf dem hohen Meißner mit folgender Formel selbst definiert: „Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein."

 

Doch was bedeutet das konkret? Nun das ist sicher nicht einfach zu beantworten. Die Basis des Bündischen ist jedenfalls die Freundschaft, und innerhalb der Gemeinschaft ist man für das ganze Lebensalter verbunden. Denn die Erfahrung zeigt: einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder. Zudem ist unser bevorzugtes Mittel zusammen Zeit zu verbringen, indem wir auf Fahrt gehen – Lager und sonstige Aktionen sind eher zweitrangig.

Ein weiteres ideal der bündischen Tradition lautet: „Jugend führt Jugend“. Das bedeutet, dass im Idealfall die Gruppenleitung nicht wesentlich älter ist, als die Gruppenmitglieder. Bündische tragen Kluft und  Jungenschaftsjacke und schlafen in Kothen bzw. Jurten. Zudem hat das Musische bei uns große Tradition und nicht wenige Lieder von bündischen Liedermachern handeln von romantischen Motiven (die blaue Blume), der Natur oder einer positiven Lebenseinstellung.

Unser Motto lautet: „Der Weg ist das Ziel."